Jeden Mittwoch ab 16 Uhr versorgt das Team von „Für Obdachlose on Tour!“ Bremerinnen und Bremer, die auf der Straße leben.

Seit etwa 10 Jahren versorgen Manuela Hartmann und Tanja Ulrich mit ihrem Projekt „Für Obdachlose on Tour!“ jeden Mittwochnachmittag obdachlose Menschen im Nelson-Mandela-Park in Bremen. Ihre Initiative ist vollkommen privat, vieles stemmen die beiden aus eigenen Mitteln. Sie kochen für die Obdachlosen, außerdem gibt es Nachtisch, Kaffee, Tee und Kuchen. Auch Konserven und andere Lebensmittel werden ausgegeben, daneben straßentaugliche Kleidung, Decken und mehr, das für ein Leben auf der Straße wichtig ist. Für die Logistik haben sie einen alten Rettungswagen gekauft und ihn reparieren und umbauen lassen.

Da „Für Obdachlose on Tour!“ kein Verein ist, haben Manuela und Tanja kaum Möglichkeiten, Geldspender zu finden oder Förderung zu bekommen. Als sie vom Chancen-Parlament hörten, haben sie sich daher ein Herz gefasst, formlos eine Förderung beantragt und sich schließlich bei der ersten Parlamentssitzung im Mai 2024 vorgestellt. „Ich erinnere mich, dass sie Sorge hatten, ob wir ihnen nicht zu sehr reinreden, was die Verwendung der Mittel angeht“, sagt Vorstandsmitglied und Projekt-Pate Klaus Platz. Das war unbegründet.

Projektpate Klaus Platz (Mitte) mit Manuela Hartmann und Tanja Ulrich von „Für Obdachlose unterwegs!“

„Für Obdachlose on Tour!“ war das erste Projekt, das vom Chancen-Parlament gefördert wurde, und bekam eine Summe von 5.000 Euro zur freien Verwendung dort, wo sich die Notwendigkeit ergibt. „Das war für mich und Tanja sehr aufregend, unsere Initiative in der Sitzung vorzustellen“, erinnert sich Manuela. „Wir haben Fotos gezeigt und erzählt, was wir machen, wie und wie lange schon. Anschließen haben wir noch ein paar Fragen beantwortet.“ Und nach einer Diskussion, bei der die beiden nicht im Raum waren, wurde die Förderung vom Parlament genehmigt.

„Das macht die Arbeit für uns natürlich leichter. Da wir kein Verein sind, bekommen wir zwar Sachspenden, aber keine Gelder, wir finanzieren vieles privat. Seit ein paar Jahren sind wir immer mal wieder auf dem Flohmarkt in Achim, um so unsere Kasse aufzufüllen“, berichtet Manuela. Ab und zu kommt auch mal jemand vorbei und lässt einen Zehner oder einen Zwanziger da. „Aber es spendet ja kaum jemand Geld, wenn er keine Spendenbescheinigung bekommt, schon gar keine Firmen.“

Insgesamt hat die Initiative einen Bedarf von etwa 10.000 Euro pro Jahr für Dinge, die dazugekauft werden müssen, für Ausstattung oder für Reparaturen am Rettungswagen. Alles weitere bekommen sie in Form von Sachspenden. Außerdem engagiert sich Manuela beim Food Sharing und bekommt so einige Waren aus Supermärkten, die mittwochs weiterverteilt werden können. „Wie heute zum Beispiel 120 große Tafeln Milka Schokolade, so etwas könnten wir nicht kaufen“, sagt sie. „Auch von den Tafeln in Lilienthal und Bremen holen wir Lebensmittel, die wir mittwochs ausgeben können.“

Kürzlich gab es Probleme, den alten RTW über den TÜV zu bekommen – drei Anläufe hat es gebraucht. „Am Unterboden war etwas durchgegammelt, der Mann beim TÜV meinte, wir sollten überlegen, ob sich das überhaupt lohnt. Aber es ist schließlich unser Goldstück, mit dem steht und fällt hier alles. Das hat uns richtig Geld gekostet, die Kassen sind mal wieder leer“, berichtet Manuela. Wenigstens hat die Werkstatt ein Herz für Obdachlose gezeigt und einen guten Preis gemacht, so dass der Wagen überhaupt repariert werden konnte.

„Wir werden uns auf jeden Fall nochmal bewerben. Es ist für uns was ganz, ganz Besonderes, durch das Chancen-Parlament auch mal eine Förderung bekommen zu haben. Das war extrem wichtig für uns, und wir waren unglaublich dankbar“, so Manuela Hartmann.

„Aus meiner Sicht ist es die längste, intensivste und beste Zusammenarbeit, die ich bisher im Chancen-Parlament erlebt habe“, sagt Klaus Platz. Und sie hält bis heute an. Klaus Platz schaut immer wieder mal am Nelson-Mandela-Platz vorbei, oft bringt er Pizza mit, unterstützt von der Hostaria Tano. „Das ist immer eine willkommene Abwechslung und wird mit Freude und Dankbarkeit angenommen.“ Manuela bestätigt das: „Manchmal wird die Pizza sogar unserem selbst gekochten Essen vorgezogen“, schmunzelt sie.

Manuela und Tanja sind jeden Mittwoch ab 16 Uhr auf dem Nelson-Mandela-Platz anzutreffen. Unterstützung, finanziell oder in Form von straßentauglicher Kleidung, Decken und anderen Dingen, die für das Leben auf der Straße wichtig sind, wird dort jederzeit gern entgegengenommen. Wer über die Aktivitäten auf dem Laufenden bleiben möchte, kann das bei Facebook in der Gruppe Für Obdachlose on Tour! | Facebook, wo die beiden regelmäßig posten.