
“Ich steh auf und weiß, ich bin nicht allein”, das sind die Worte eines Teilnehmers des Projekts Haftvermeidung EFS der hoppenbank e.V.. Dieser Satz wird uns den ganzen Tag begleiten und durch andere Teilnehmenden dieses Projektes im Werkraum Sonne 3 und Besuchern der Teestube bestätigt.
Im April 2025 bei der 3. Parlamentssitzung des Chancen-Parlaments Bremen, wurden die Förderanträge der hoppenbank für Einzelfahrscheine für den Werkraum Sonne 3 und die finanzielle Unterstützung einer Beschäftigten für die Teestube bewilligt. Was diese Fördersumme bewirkt und wer die Menschen hinter diesen beiden Projekten sind, wollten wir uns genauer anschauen. Also besuchten wir zusammen mit dem Team der Geschäftsführerin Svenja Böning beide Projekte.
Gestartet haben wir den Tag im Werkraum Sonne 3 in Oslebshausen. Hierbei handelt es sich um das Projekt Haftvermeidung EFS. Dieses Projekt hilft Menschen, die Geldstrafen nicht bezahlen können, eine Haftstrafe durch gemeinnützige Arbeit und individuelle Betreuung zu vermeiden. Das Projekt Haftvermeidung EFS richtet sich insbesondere an Personen mit schwierigen Lebensverhältnissen, beispielsweise Armut, Wohnungs- oder Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Überschuldung, gesundheitlichen Einschränkungen oder Suchtproblemen. Neben einem Werkraum, einer Fahrradwerkstatt und anderen kreativen oder handwerklichen Aufgaben, wird Teilnehmenden soziale Beratung angeboten. Hier, direkt vor den Mauern der JVA Bremen, wird Menschen eine Chance gegeben und Unterstützung beim Umgang mit Schulden, Sucht oder bei der Wohnungssuche angeboten.
Im offenen Gespräch mit dem Sozialbetreuer und Suchtberater Thomas Rieck und einigen Teilnehmern konnten wir mehr über die Wichtigkeit dieses Projektes und der Einzelfahrscheine erfahren. Die Mehrheit der Personen nimmt an dieser Maßnahme aufgrund des Erschleichens von Leistungen teil, wie z. B. Fahren ohne gültigen Fahrschein. Auch wenn das Fahren ohne Fahrschein bei der BSAG keine Straftat mehr ist, so gilt das nicht für andere öffentliche Verkehrsdienstleister. Auch die 60 € Strafe der BSAG kann immense Folgen haben, bis hin zu einem Schufaeintrag und einem immer weiter wachsenden Berg an Schulden. Auf die Frage, ob das beschämte und peinliche Gefühl bei einer Fahrausweiskontrolle nicht abschreckt, antwortete ein ehemaliger Teilnehmer: ”Man stumpft ab mit der Zeit und trifft die Entscheidung zwischen Stoff oder Ticket”.
Um den Kreislauf an dieser Stelle zu unterbrechen und eine Verbindlichkeit für eine tägliche Anwesenheit zu schaffen, sind Einzelfahrscheine ein essenzielles Mittel zum Zweck. Teilnehmende können bei Thomas Rieck zwei Fahrscheine bekommen: Einen für den Heimweg und einen für den Fahrt zum Werkraum Sonne 3. Die Ausgabe dieser wird erfasst und die abgestempelten Fahrscheine eingesammelt. Genau diese einfache Lösung hilft den Teilnehmenden, eine Routine in ihr Leben zu implementieren. Eine Routine, die das Risiko für weitere Straftaten reduziert. Diese Kombination mit einem gezielten Beratungsangebot und engagierten Personen, die einfach mal zuhören, bietet einen nachhaltigen Lösungsansatz. Wir haben den Werkraum Sonne 3 als einen bunten Ort erlebt, in dem man von allen herzlich aufgenommen wird und in dem “viel gelacht wird”, Thomas Rieck, und “über was anderes als Drogen geredet wird”, ehemaliger Teilnehmer.
Zum Mittag ging es in die Teestube am Rembertiring. An diesem wohnlichen Ort wurden wir von Sarah Kück, Projektkoordinatorin der Teestube, Sozialarbeiterin und Anleiterin in Beschäftigungsprojekten des Vereins, sowie dem Küchenteam mit einem leckeren Mittagessen begrüßt. Hier trafen wir vor allem auf ältere Personen, die alleine oder in Gruppen ihre warme Mahlzeit genossen.
Die Teestube vom hoppenbank e.V. in Bremen ist ein Versorgungs‑, Beratungs- und Kommunikationszentrum für haftentlassene, haftbedrohte und sozial benachteiligte Personen. An 365 Tagen im Jahr bekommen Besucher preiswerte Mahlzeiten, Unterstützung rund um die Themen Wohnen, Behörden und Schulden sowie ein breites Freizeitangebot. Außerdem schafft dieses Projekt Arbeitsplätze und Qualifizierungsangebote für Langzeitarbeitslose und Betroffene im In-Job-Modell, hilft bei der Tilgung von Ersatzfreiheitsstrafen und stärkt dadurch berufliche und soziale Teilhabe. Die Teestube ist ein elementarer Bestandteil des Alltags für alle Besucher und Angestellten. Dieser Ort bietet soziale Stabilität und einen geschützten Raum, der von Offenheit, einem wertschätzenden, freundlichen und fürsorglichen Miteinander geprägt ist.
Wie viele soziale Projekte ist auch die Teestube auf die Arbeitskraft von Langzeitarbeitslosen oder Betroffenen in In-Job-Modellen angewiesen. Ohne diese Menschen wären diese Öffnungszeiten, die vielen Mahlzeiten und Freizeitprogramme nicht möglich. Aber nicht nur für die Besucher sind diese verlässlichen Öffnungszeiten essenziell, sondern auch für die Personen, die dort arbeiten. Diese Arbeit gibt Ihnen eine notwendige Tagesstruktur und Sicherheit, erklärt uns Sarah Kück. Um diese Angestellten zu finanzieren, ist die Unterstützung von staatlichen und privaten Förderungen unerlässlich. Doch leider sind die öffentlichen Förderungen nur knapp bemessen. Deshalb freuen wir uns vom Chancen-Parlament Bremen umso mehr, dass durch die Förderung aus der 3. Parlamentssitzung, die Beschäftigung einer geschätzten Mitarbeiterin, bei der die 16i Förderung des Jobcenters ausgelaufen ist, für ein weiteres halbes Jahr aufrechterhalten werden kann. Sie ist ein wichtiger Teil des Küchenteams und bedient die Besucher mit einem Lächeln an der Kasse. “Alle sind freundlich hier”, erzählt sie uns.
Im Interview mit Svenja Böning, Geschäftsführerin der hoppenbank e.V., erzählt sie, dass sie sich mehr Sensibilisierung, Aufklärung und Akzeptanz für diese Menschen wünscht. Sie erklärt, dass es darum geht, zu “sehen, dass diese Menschen Teil unserer Gesellschaft sind und sie darum nicht auszugrenzen, sondern sie als einen Teil des Großen Ganzen mitzunehmen. Das hat ganz viel mit Offenheit, Verständnis und einem etwas wacheren und sensibleren Blick zu tun.” Genau diese Werte werden in allen Projekten der hoppenbank gelebt. Die hoppenbank vertritt einen ganzheitlichen Ansatz und unterstützt Menschen nach der Haftentlassung dabei, einen Wiedereinstieg in die Gesellschaft zu finden. Durch unterschiedliche Maßnahmen, wie z. B. Wohn- und Jobangebote, soziale Beratung bis hin zu Freizeitaktivitäten, wird für diese Personen ein normaler und positiver Alltag geschaffen. “Menschen können sich verändern und verdienen Chancen und Perspektiven”. Dieses Zitat von Hartmut Kahle, Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit, Anleiter der Fotogruppe und Peer mit eigener Haft- und Suchterfahrung, fasst diesen Tag, unsere Eindrücke und die Wichtigkeit jedes einzelnen Projektes der hoppenbank zusammen.